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Fragen an den Oenologen

Diese Dialogplattform steht allen Weinliebhaberinnen und Weinliebhabern offen, die eine ganz allgemeine oder eine ganz spezifische Frage zu einem Wein in unserem Sortiment haben. Unsere Oenologen werden Ihre Fragen schnell, unbürokratisch und nach bestem Wissen und Gewissen beantworten.

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Interessante Fragen und Antworten

Worin begründet sich die eher kritische Haltung der Ostschweizer Weintrinker gegenüber ihren heimischen Gewächsen?
Dies ist nicht so sehr ein Qualitäts- als vielmehr ein Imageproblem. «Der saure Beerliwein» ist ein völlig unzeitgemässer und falscher, aber leider immer noch sehr häufig gehörter Ausdruck. Riesling x Sylvaner und Blauburgunder (Pinot noir) sind die in der Ostschweiz am häufigsten angebauten Trauben. Die Weine sind gewöhnlich sehr sauber und korrekt vinifiziert und enthalten in der Regel weit weniger Säure als mancher hoch gelobte ausländische Wein. Das Problem liegt in den hohen Lohn- und Produktionskosten, in den geografischen Gegebenheiten und vor allem in den Köpfen der Konsumenten. Vor zwanzig Jahren zum Beispiel gab es auf dem Schweizer Markt neben den hiesigen Weinen nur noch Beaujolais, Chianti, Kalterer und die üblichen Bordeaux- und Burgunderweine. Dies hat viele einheimische Winzer bequem gemacht, weil sich ihre Produkte gut verkauften. In der Zwischenzeit hat sich die Situation stark gewandelt: Günstige und gute Weine aus der neuen Welt mit tiefen Produktionskosten und neuartigem Marketingauftritt haben den Markt erobert. Die Anwort aus der Ostschweiz kommt in Form von neuen, frischen Weinen aus den Trauben Räuschling, Chardonnay, Kerner, Gewürztraminer und natürlich auch Riesling x Sylvaner. Und sie sind auf jeden Fall mehr als nur einen Versuch wert.

Wenn ich Rotwein und Weisswein mische, erhalte ich dann einen Rosé?
Im Prinzip ja. Diese Art der Rosé-Zubereitung ist unter dem Namen Schiller erlaubt (Chur, Österreich und Deutschland). In der Schweiz muss dabei der Wein aus derselben Reblage stammen und vorher separat vinifiziert werden. Grundsätzlich wird Roséwein jedoch aus blauen Trauben hergestellt.

Ein schöner alter Rotwein als Dekoration macht auf dem Cheminée eine tolle Figur. Wie lange kann ich einen Wein so «ausstellen»?
So lange Sie wollen, nur trinken sollten Sie ihn dann nicht mehr!

Weisswein zu Fisch und Rotwein zu dunklem Fleisch ist ja mittlerweile allen klar; was serviere ich aber zu Nüsslisalat mit Speckcroutons an Chnoblisauce?
Ganz allgemein: Trinken Sie, was Ihnen schmeckt! Da kann es dann ruhig auch ein schwererer Rotwein zu Fisch oder ein kräftiger Weisswein zu einem Braten sein. Zu Salat im Besonderen würden wir eher ein Mineralwasser oder Bier servieren, denn Essig und Wein passen eigentlich nicht zusammen (ausser vielleicht bei einem sehr guten Balsamicoessig).

Rotwein in Zimmertemperatur ist im Winter ca. 22 Grad warm. Ist dies nicht zu warm?
Definitiv! Wir Schweizer tendieren dazu, Weissweine zu kalt und Rotweine zu warm zu konsumieren. Der Vermerk Zimmertemperatur bezieht sich auf die «Zimmer» inden mittelalterlichen Chateaux, die kaum je auf 22 Grad geheizt werden konnten. Wir empfehlen, Weine grundsätzlich mit nicht mehr als 18 Grad zu trinken. Selbst kräftige, gehaltvolle Rotweine behalten dadurch eine gewisse Frische. Mehr dazu unter Trinktemperatur.

Ist Wein gesund?
Der Volksmund sagt: «Es gibt mehr alte Winzer als alte Ärzte.» Wein enthält krebshemmende Substanzen und kann vor Herzinfarkt und Arteriosklerose schützen. Wein gehört zu gutem Essen wie das Salz zur Suppe. Er hebt den Genuss, fördert die Magen- und Darmfunktionen und trägt wesentlich zu Wohlbefinden und Gesundheit bei. Die Ess- und Trinkkultur der Mittelmeerländer sollte auch bei uns mehr gepflegt werden. Wer mit dem Weintrinken aufhört, sobald das Essen beendet ist, beugt dem Missbrauch vor. Und wer Übergewicht vermeidet, für genügend Bewegung sorgt und sich ernährt, wie es in den Mittelmeerländern Sitte ist (wenig Fleisch, viel Reis, Fisch, Gemüse, Obst und Olivenöl extra vergine), kann es sich leisten, jeden Tag sein Glas Wein zu trinken.

Wie entsteht der Korkgeschmack?
Oder «Zapfen», wie wir sagen. Kork ist ein hochwertiges Naturprodukt. Eine Korkeiche muss für die erste Ernte ca. 25 Jahre alt sein, und nur die dritte Ernte ist für die Korkproduktion geeignet. Auch kann ein solcher Baum nur alle neun Jahre geschält werden. Vor dem Ausstanzen werden die Platten abgekocht, um Parasiten und Keime abzutöten. Wegen der guten Isolierwirkung des Grundstoffes wird es im Innern dieser Platten nur etwa 35 Grad warm. Eine vollständige Sterilisierung der Korkzapfen ist nicht möglich. Ein idealer Nährboden für Mikroorganismen also. Und solche Mikroorganismen sind für den Korkgeschmack verantwortlich. Sie zersetzen den Korken (mikroskopisch gesehen), gelangen in den Wein und hinterlassen dort als chemische Verbindung den so verhassten Zapfen-Geschmack.

Sind «Deckeli-Weine» grundsätzlich schlechter als Weine mit Naturkorken?
Ganz und gar nicht. Flaschen mit Deckel- oder Schraubverschluss sind gemacht für Weine, die für den raschen Konsum bestimmt sind. Diese Flaschenverschlüsse sind hygienisch einwandfrei, erlauben eine saubere Verarbeitung und sind sehr praktisch. Denken Sie nur einmal an ein Bankett mit 150 bis 200 Personen. Der teure Naturkorken lohnt sich eigentlich nur für lagerfähige Weine.

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